Die Macht des Bundespräsidenten ist das Wort: So ist Richard von Weizsäcker mit seiner Rede anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus – gehalten am 8. Mai 1985 – in die Annalen der Bundesrepublik eingegangen. Weizsäckers Rede gilt bis heute als die wichtigste Rede in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Auch Roman Herzog hat sich mit seiner Berliner Ruck-Rede einen Platz in der bundesdeutschen Geschichte ersprochen. Der derzeitige Bundespräsident Christian Wulff wird am Ende seiner Amtszeit wenigsten den Sprachschatz der Deutschen durch ein neues Verb erweitert haben: wulffen. Die Bedeutung von wulffen schwankt zwar noch zwischen dem Vollquatschen eines Anrufbeantworters oder der Umschreibung dafür, dass man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber auch nicht direkt als Lügner dastehen will. So oder so: Eine Bereichung der deutschen Sprache und der deutschen Politik ist das Wulffen nicht. Tröstlich: Wulffen ist nicht das erste Verb, das sich aus einem (Fehl)Verhalten eines Politikers oder Prominenten ableitet und die meisten haben sich nicht lange im Sprachgebrauch gehalten. Nach dem Abgang des Stichwortgebers von der öffentlichen Bühne sind die Worte ebenfalls allmählich in Vergessenheit geraten. Mal sehen, wie lange sich das Wulffen hält.


